Schulprogramm
1. Ausgangssituation
1.1 Der Stadtteil
Die Fritz-Köhne-Schule befindet sich im Süd-Osten Hamburgs in einem sozialen Brennpunkt. Der Stadtteil Rothenburgsort ist durch den Hafen, das Industriegebiet in Richtung Hamm sowie der Müllverbrennungsanlage in Richtung Billstedt eingeschlossen von Industrie. Von den Bewohnern wird der Stadtteil vor allem als Dorf innerhalb der Großstadt wahrgenommen. Rothenburgsort ist aufgrund seiner citynahen Lage und der Wassernähe attraktiv und auch standortpolitisch von Bedeutung. Die Bewohner sprechen häufig auch davon, dass Rothenburgsort durch den Einschluss von Bille und Elbe eigentlich eine Insel sei.
Aufgrund jahrelanger tatsächlicher Vernachlässigung seitens der Stadt hinsichtlich notwendiger baulicher, infrastruktureller und sozialer Investitionen hat sich im Stadtteil das Gefühl der Benachteiligung nachhaltig verfestigt. (vgl. Gutachten des Instituts für Sicherheits- und Präventionsforschung e.V. September 1999).
Die Zusammensetzung und die Stabilität der Familien hat sich in Rothenburgsort verändert. Die soziale Struktur des Stadtteils kann als problematisch bezeichnet werden. Viele Kinder sind auffälliger geworden: Sie bringen immer mehr Aggressionen und Verhaltensstörungen sowie Lernprobleme in die Schule mit. Selbst Vernachlässigungen werden zunehmend wahrgenommen. Die Arbeitsanforderungen an die Lehrerinnen und Lehrer sind vor diesem Hintergrund stetig gestiegen. Die Schule muss über ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag hinaus häufig auch Sozialarbeit anderer staatlicher Stellen einleiten, nachhaltig begleiten und oft selbst übernehmen.
1.2 Die Fritz-Köhne-Schule
Die Fritz-Köhne-Schule bietet ca. 270 Kindern eine freundliche Umgebung zum Spielen und Lernen. Den jüngsten Schulkindern von Rothenburgsort wird in einer Klasse eine Vorschule angeboten. Vor allem Kinder, die noch keinen Kindergarten besucht haben und die wenig deutsch sprechen, erhalten eine intensive Sprachförderung.
Mit Beginn der Regelschulzeit läuft die Grundschule zwei- und dreizügig.
Der Pädagogische Mittagstisch gewährt ca. 50 Grundschulkindern eine Anschlussbetreuung. In zwei Gruppen betreuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes Kinder, von denen viele sonst bis in den Nachmittag hinein ohne Aufsicht wären. Der Pädagogische Mittagstisch ist eine Anlaufstelle mit qualifizierter Betreuung nach dem Schulunterricht. Es werden Spielmöglichkeiten, Mittagessen und Hausaufgabenbeaufsichtigung angeboten.
Die Sekundarstufe ist bereits bis auf eine 9.Hauptschulklasse abgebaut.
2. Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit
Die Fritz-Köhne-Schule möchte die aus dem besonderen Umfeld entstandenen Verhaltensschwierigkeiten berücksichtigen und deshalb Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Lernmotivation der SchülerInnen sowie ihre Toleranz- und Konfliktfähigkeit fördern. Deshalb haben sich vorrangig drei Bereiche für die pädagogische Arbeit an der Fritz-Köhne-Schule herauskristallisiert:
2.1 Soziales Lernen als Erziehung zur Konfliktfähigkeit und Toleranz – Gewaltprävention
In einer Gemeinschaft kann nur dann befriedigend zusammen gelebt und gearbeitet werden, wenn jedes Mitglied bereit und fähig ist, soziale Verantwortung zu übernehmen. Die soziale Kompetenz der SchülerInnen wird deshalb gefördert und gegen Gewalt und Intoleranz gearbeitet. Die Klassengemeinschaft ist der Ansatzpunkt für die Förderung des Gemeinschaftssinns und der Teamfähigkeit unserer SchülerInnen. Die MitarbeiterInnen der Fritz-Köhne-Schule führen zusätzlich Gewaltprävention durch besondere Unterrichtsprogramme und die Installation von verbindlichen Regeln durch.
2.2 Soziales Lernen im Unterricht – Erwerb von Schlüssel-qualifikationen
Unsere hochindustrielle Gesellschaft verlangt von jedem die Bereitschaft, ein Leben lang zu lernen. Voraussetzung dafür ist neben der Beherrschung der Grundfähigkeiten Lesen, Rechnen und Schreiben die Fähigkeit, sein eigenes Leben selbstständig zu organisieren. Ein Schwerpunkt der Arbeit in der Fritz-Köhne-Schule ist die Sicherung und Vertiefung dieser Kulturtechniken.
Darüber hinaus muss Unterricht durch die Entwicklung von Selbstvertrauen, Identifikation und Engagement auch auf sozial-kommunikatives Lernen und nicht zuletzt auf affektives Lernen (Entwicklung von Selbstvertrauen, Identifikation und Engagement u.a.m.) zielen.
Deshalb sollen im Unterricht der Fritz-Köhne-Schule Kenntnisse und Fertigkeiten so vermittelt werden, dass die Kinder selbstständig sachliche Zusammenhänge entdecken, soziale Verantwortung übernehmen und mitplanen, mitdenken, mitgestalten und verantworten können.
2.2.1 Soziales Lernen an der Grundschule
Vielfältige Lernsituationen der sozialen Wahrnehmung, der Kommunikation und der Kooperation ermöglichen das Erleben sozialer Erfahrungen und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum sozialen Lernen und somit zur gewaltfreien Konfliktaustragung.
Soziale Wahrnehmung
- Förderung des Selbstwertgefühls und der Selbstbehauptung
- Stärkung der Klassengemeinschaft
Kommunikation
- Gespräche führen
- Anwendung von Gesprächsregeln
Kooperation
- Psychomotorik / kooperative Bewegungsspiele
- Entspannungsspiele
Soziales Lernen kann nur da gelingen, wo im Unterricht Freiräume dafür geschaffen werden.
2.2.2 Soziales Lernen durch verschiedene Lehr- und Lernmethoden
Die Veränderungen in unserer Gesellschaft erfordern neben den traditionellen Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen erweiterte Schlüsselqualifikationen. Zu diesen gehören:
- Selbstständigkeit, Selbstverantwortung
- Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeit
- Kreativität und Engagement
- Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
- Lernfähigkeit
Um die angestrebten Schlüsselqualifikationen mehr als bisher fördern zu können, hat sich die Fritz-Köhne-Schule zum Ziel gesetzt, neben eher traditionellen Unterrichtsmethoden offene Arbeits- und Lernphasen als einen festen Bestandteil in ihren Unterricht aufzunehmen. Mit den folgenden Lehr- und Lernmethoden sollen die SchülerInnen diese Kompetenzen für ein lebenslanges Lernen erwerben:
- Stationsarbeit
- Wochenplanarbeit
- Projektunterricht
- Werkstattarbeit
2.3 Sprachförderung
Die Fritz-Köhne-Schule hat ein schulspezifisches Förderkonzept entwickelt, das in den Stufen wie folgt umgesetzt werden soll:
VSK
Kleingruppen am Vormittag während der Spielzeit, nicht während der Arbeitszeit! (Beispiel: Drei Gruppen, mit verschiedenen Förderkindern, jeweils 30 Minuten täglich. Möglich durch einen Doppelstundenblock). Nur ein Lehrer für alle Gruppen, um den Überblick in eine Hand zu geben und weil die Kinder ein Vertrauensverhältnis aufbauen! VSK-Lehrerin und Förderlehrerin stehen im engen Austausch miteinander.
Die Förderung findet im Sprachförderraum statt, um die Nähe zur VSK zu gewährleisten und weil der Bewegungsdrang bei Laut- und Sprachspielen eingebaut werden kann.
1.Klassen
Kleingruppen in der Ein- und Ausgangsphase!
Nur ein Lehrer pro Klasse, um den sinnvollen Austausch zwischen dem Deutsch-/Klassenlehrer und dem Förderlehrer zu erleichtern. Außerdem 1-2 integrative Stunden für PLUS-Kinder.
2.Klassen
PLUS-Kinder integrativ fördern, DAZ-Kinder in Fördergruppen.
3.Klassen
Einrichtung eines Förderbandes in der 5.Stunde für DAZ-Kinder. Einrichtung eines weiteren Förderbandes für PLUS-Kinder, ebenfalls in der 5.Stunde! Möglichst keine Hauptfächer in diese Zeit legen bzw. der in der Klasse unterrichtende Lehrer schickt die Kinder nach Tag und Spontanität zum Förderband. Zusätzlich z.T. integrative Förderung für PLUS-Kinder.
4.Klassen
Wie in den 3.Klassen. Folglich ein Förderband pro Jahrgangsstufe.
3. Umsetzung der pädagogischen Schwerpunkte an der Fritz-Köhne-Schule
3.1 Gewaltprävention
3.1.1 Das Streitschlichterprogramm in der Primastufe
SchülerInnen an unserer Schule zu kompetenten Streitschlichtern auszubilden, wird als präventive Maßnahme gegen die in den letzten Jahren steigende Konfliktfrequenz an der Fritz-Köhne-Schule begriffen. Als eine der möglichen Ursachen erleben wir häufig Kinder, die in Konfliktsituationen aufgrund einer Sprachlosigkeit überfordert sind, insgesamt sehen wir die folgenden möglichen Ursachen :
- Probleme in der Familie
- Unzufriedenheit mit den Pausenangeboten
- hohe Aggressionsbereitschaft
- Fehlender Minimalkonsens ab wann die Pausenauf-
sicht eingreift
- Missverständnisse aus Unkenntnis von kulturellen und
religiösen Traditionen
- Verbale Verletzungen (Schimpfwörter) durch Überschreiten unterschiedlicher Toleranzbereiche
- Unklare Botschaften (Klischees wie „Alter”, inflationärer Gebrauch von Schimpfwörtern - besonders auch in fremden Sprachen)
- Imponiergehabe (Cool-Sein, Machismo, Erpressung, Gesetz des Stärkeren, Rollenkonflikte zwischen Mädchen und Jungen)
- Verminderung der Kommunikationsbereitschaft, weil Erziehung immer weniger in der Familie stattfindet (Einflüsse von Medien) und Konfliktvermeidungsstrategien, Verdrängungen und Sprachlosigkeit zunehmen.
Um das Schulleben konfliktfreier zu gestalten, müssen auch die SchülerInnen gelernt haben, Konflikte vertrauensvoll klärend und beratend zu begleiten. Wir bemühen uns im Rahmen der Organisation der zukünftigen Ganztagsgrundschule ein Streitschlichterprogramm in der Primarstufe zu installieren. Aus diesem Grund soll im kommenden Schuljahr 2007/2008 eine Zusammenarbeit mit dem IKM angestrebt werden.
Die Konflikt-Offenlegung ist ein erster Schritt zum kreativen und positiven Umgang mit sozialen Schwierigkeiten. Konkrete Fälle schaffen unmittelbar motivierende Sprachanlässe, die unbewusstes Verhalten bewusst machen helfen und zu größerer Selbstkontrolle führen können.
3.1.1.a Konzeption des Streitschlichterprogramms für die Primarstufe
Für die Ausbildung zum Streitschlichter sollen folgende Vermittlungsziele angestrebt werden:
- Beachten der Körpersprache, Gesten, Mimik in Schlichtungsgesprächen
- Begrüßung, Vorstellung und Regeln im Schlichtungsgespräch
- Aktives Zuhören
- Ich-Botschaften
- Lenkung eines Schlichtungsgesprächs
- Abschlüsse: Lösungen, Kompromisse, Wiedergutmachung,
Einigung, Verträge, Fortsetzungen
- Verabschiedung
3.1.1.b Installation und Evaluation
In der Primarstufe werden die Schwerpunkte in den Bereichen:
Soziale Wahrnehmung, Kommunikation und Kooperation gesetzt.
In regelmäßigen Fach- und Klassenkonferenzen wird zu diesen Themen gearbeitet (vgl. Seite ). 3.2.1.
Dabei gelten folgende Rahmenbedingungen:
- Die jeweiligen Klassenlehrer entscheiden in Absprache mit den Streitschlichtern über die Zulassung eines Konfliktes zum kurzfristig anzusetzenden Schüler-Schlichtungsgespräch.
- Ein/e betroffene/r Schüler/In hat ebenfalls die Möglichkeit ein Schüler-Schlichtungsgespräch einzufordern.
- Das Gespräch und seine Reflexion unterliegen der Schweigepflicht.
- Die Schlichtungsgespräche sollen in einem Raum mit vertrauensvoller Atmosphäre normalerweise in den Pausen stattfinden. Die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer einer der Konfliktparteien ist anwesend und hilft.
Langfristige Ziele
- Schärfung der Selbstwahrnehmung als Mittel der Distanz zu sich
selbst und zum Konfliktpartner
- Zuversicht gewinnen, aus einem Konflikt gemeinsam gestärkt
hervorzugehen
- Alternative Handlungsmöglichkeiten im Streit kennen lernen
- Meinungsverschiedenheiten ertragen
- Gewaltbereitschaft senken
Um den SchülerInnen eine Orientierung und klare Regeln zu geben, sollen für die gesamte Schule verbindliche Pausenregeln und ein Schulvertrag gelten.
3.1.2.a Klassenregeln/ Pausenregeln/ Schulvertrag
Regeln für das Zusammenleben sind nötig. Sie wachsen aus der Spannung zwischen individueller Freiheit und notwendigen Einschränkungen. Ziel jeglicher pädagogischer Arbeit und damit auch der Schulentwicklung muss deshalb sein, für alle verbindlichen Regeln zu erarbeiten, aufzustellen und neuen Gegebenheiten anzupassen.
Durch die gemeinsame Erarbeitung von Regeln soll an der Fritz-Köhne-Schule vermittelt werden, was an unserer Schule möglich und erwünscht ist, was gefördert wird und welche Verhaltensweisen mit welchen Maßnahmen geahndet werden.
Die Form der Regeln wird Vertragscharakter haben und der Schulvertrag wird von der Schülerschaft, den Lehrkräften, den Eltern und der Schulleitung unterschrieben.
Damit wird Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit für alle Seiten dokumentiert. Voraussetzungen dafür sind, dass sich das Kollegium, die SchülerInnen, die Eltern und das nichtpädagogische Personal in einem breit angelegten Diskussionsprozess mit ihren jeweiligen Vorstellungen auseinandersetzen und annähern müssen. Das zu erarbeitende Regelwerk führt zu größerer Transparenz der Verhaltensweisen, erhöhter gegenseitiger Akzeptanz und damit zu größerer Zufriedenheit an der Schule.
3.1.2.b Erarbeitung und Evaluation
Jede Klasse entwickelt ihre Klassenregeln.
Damit das Zusammenleben und das gemeinsame Lernen für alle Gruppenmitglieder angenehm werden, sollte sich jede neu zusammengesetzte Schulklasse Regeln geben, die selbst erarbeitet, weiterentwickelt und von jedem Mitglied unterschrieben werden.
Mögliche Themen- und Konfliktbereiche können sein:
- Unterricht (Pünktlichkeit, Arbeitsmittel, Hausaufgaben, Stillarbeit, Wochenplanarbeit, Mappenführung, Gesprächsordnung, freie Arbeitsformen)
- soziale Umgangsformen (keine Beschimpfungen, Beleidigungen, Streitschlichtungsverfahren, Gewaltfreiheit, gemeinsame Unternehmungen, Klassenrat, Fairness beim Sport und in den Pausen)
- Maßnahmen („Schlimme-Wörter-Zettel“, Tadelzettel, Lobzettel, Klassenrat, Streitschlichter, Wiedergutmachung, Elternbrief usw.)
- Vertragscharakter (Jedes Gruppenmitglied erkennt durch seine Unterschrift diese Regeln als verbindlich an.)
Ein Schulvertrag ist verabschiedet.
Der Schulvertrag hat für alle LehrerInnen und SchülerInnen gleiche Wertigkeit.
3.2 Soziales Lernen im Unterricht
3.2.1.Soziales Lernen in der Primarstufe
Soziale Wahrnehmung
a) Selbstwertgefühl und Selbstbehauptung
Kindern mit einem negativen Selbstbild, also wenig Selbstwertgefühl, verhalten sich im Schulalltag oft auffällig und wollen durch ihr störendes Verhalten auf sich aufmerksam machen. SchülerInnen mit einem positiven Selbstbild können sich besser auf das Lernen konzentrieren. Es gilt daher, die Stärken eines jeden Kindes festzustellen und dafür zu sorgen, dass diese auch von den anderen wahrgenommen und anerkannt werden.
Sich gewaltfrei in Konflikten behaupten zu können, heißt eigene Bedürfnisse durchsetzen zu können, ohne anderen dabei zu schaden. In den Klassen sollte überlegt werden, wie man sich am besten für die eigenen Rechte einsetzt und wie es möglich ist, auch die Wünsche anderer zu befriedigen.
b) Stärkung der Klassengemeinschaft
Durch eine Stärkung der Klassengemeinschaft erhoffen wir uns eine verbesserte Zusammenarbeit in der Gruppe. Das Schwierige dabei ist, dass die Beteiligten ihre vorrangigen Bedürfnisse zurückstellen müssen, damit ein gemeinsames Ziel erreicht werden kann. Dies kann nur geschehen, wenn alle das Vertrauen haben, dass jeder nicht nur seine eigenen Wünsche sieht, sondern auch die des anderen berücksichtigt. Möglichkeiten für die Stärkung der Klassengemeinschaft sind neben den Übungen zum besseren Kennen lernen (vgl. Literatur), auch die Planung und Durchführung von Erlebnissen wie zum Beispiel Klassenfahrten, Ausflügen oder Theaterprojekten.
Kommunikation
a) Schaffen von Gesprächssituationen
Miteinander sprechen ist ein Grundbedürfnis von Kindern im täglichen Leben, zu Hause oder in der Schule. Nicht immer verlaufen Gespräche so, dass die Grundbedürfnisse der einzelnen erfüllt werden. Manche Kinder können sich ohne Hilfe kaum in Gespräche einbringen, manche tun dies ohne auf die anderen zu achten, manche können das, was sie wollen, nicht verständlich machen. Die Fritz-Köhne-Schule fördert das Miteinandersprechen durch Gesprächssituationen, in denen die Kinder lernen, sich verständlich auszudrücken und als Zuhörer das Gehörte aufzunehmen und zu verarbeiten. Gesprächserziehung beinhaltet somit das Schaffen von Gelegenheiten zum Sprechen über für die Kinder relevante Inhalte.
b) Erarbeiten und Anwenden von Gesprächsregeln
Gesprächserziehung hat zum Ziel, die Kinder von einer lehrerzentrierten Gesprächsleitung unabhängiger zu machen und eine gleichberechtigte Teilnahme aller Kinder am Gespräch zu ermöglichen. Damit die Kinder selbstständig kooperieren können, brauchen sie eine Orientierung für ihr Verhalten in Form von Gesprächsregeln. In Gesprächssituationen können Regeln erarbeitet, erprobt, eingeübt und angewendet werden.
Beispiele für Gesprächsregeln:
- Ich melde mich, wenn ich etwas sagen möchte.
- Nur einer spricht.
- Ich höre zu, wenn ein anderes Kind spricht.
Kooperation
a) Psychomotorik / kooperative Bewegungsspiele
Im Sportunterricht der Fritz-Köhne-Schule werden psychomotorische und kooperative Spiele umgesetzt. Ein Psychomotoriktag ist fester Bestandteil des Wochenstundenplans. Psychomotorik versteht sich als ganzheitliche Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch Bewegung. Die Förderung findet auf der motorischen, sozialen, emotionalen und kognitiven Ebene statt (vgl. Potthoff, U. :Gespräche mit Kindern).
Durch offene Bewegungs- und Wahrnehmungssituationen werden z.B. koordinative und motorische Fähigkeiten geschult. Im sozialen Bereich können Verhaltensweisen wie Kooperation und Rücksichtnahme gefördert werden. Durch kooperative Bewegungsspiele wird kooperatives Handeln angebahnt (vgl. Blumenthal, E.: Kooperative Bewegungsspiele).
Spiele, die jedem Mitspieler positive Spielerlebnisse, Wohlbefinden und Spaß ermöglichen, werden im Sportunterricht eingesetzt.
b) Entspannungsspiele
Durch gezielte Bewegungs- und Entspannungsspiele kann Ruhe und Entspannung im Unterricht gefördert werden und damit eine grundlegende Aufnahmebereitschaft geschaffen werden. (vgl. Krowatschek,D.: Entspannung in der Schule)
Entspannungsspiele können auf lange Sicht helfen, das Wohlbefinden, die Konzentration und die Gesundheit zu stärken sowie Spannungen und Stress abzubauen bzw. vorzubeugen. Auch das Erleben sozialer Erfahrungen ist ein Aspekt, der im Rahmen von Entspannungsübungen bedeutend ist.
3.2.3. Offener Unterricht
Stations- und Wochenplanarbeit, Werkstatt- und Projektunterricht sind Organisationsformen, die zum Spektrum der aktuellen, schülerorientierten und innovativen Unterrichtsangebote gehören.
Hinter dem Wort „offen“ stehen die folgenden zwei pädagogischen Absichten, die mit dem Unterricht in der Fritz-Köhne-Schule verfolgt werden:
Zum einen soll damit eine grundlegende innere pädagogische Einstellung zu Kindern und Jugendlichen zum Ausdruck gebracht werden:
Ein „Offen-Sein“ gegenüber den lernrelevanten Bedürfnissen der SchülerInnen in der Schule, dies gleichsam als Verpflichtung, bei aller notwendigen lehrplanorientierten Stoffvermittlung das einzelne Kind mit seinem Interesse, seinen Bedürfnissen und seinen Lernmöglichkeiten nicht aus dem Auge zu verlieren (Prinzip „Schülerorientierung“) und es durch differenzierte Lernangebote zu einer größtmöglichen Selbststeuerung seines Lernprozesses zu befähigen (Prinzip „Selbsttätigkeit“).
Zum anderen soll „offen“ auch für die Bereitschaft der Pädagogen der Fritz-Köhne-Schule stehen, die Erfahrungsräume in - und außerhalb der Schule in schulisches Leben einzubeziehen (Prinzip „ganzheitliches Lernen“ bzw. „lebensnahes Lernen“).
Offener Unterricht hat in der Fritz-Köhne-Schule keinen Ausschließlichkeitscharakter, offener Unterricht wird angebahnt und eingeübt. Der Schulalltag in Rothenburgsort zeigt aber immer auch die Notwendigkeit auf, auch gelenkten und Frontalunterricht zu geben.
3.2.3.a Stationsarbeit / Werkstattunterricht
Die Stationsarbeit ist gängig Praxis in der Primarstufe. Während der Arbeit an den Stationen können die Kinder miteinander kooperieren, müssen sich absprechen und sich gegenseitig bei der Arbeit unterstützen. Außerdem lernen sie, sich Inhalte selbstständig anzueignen, müssen sich über die Inhalte verbal auseinandersetzen und ihre Ergebnisse möglichst selbständig präsentieren.
Im Werkstattunterricht gibt es obligatorische und freiwillige Lernangebote, die meistens fächerübergreifend sind. Das Kind entscheidet, wann es welches Lernangebot bearbeitet. Der LehrerIn wird zum/r ModeratorIn, der/die Lernprozesse indirekt anregt, indem er/sie Lernangebote bereitstellt und den Kindern beratend und klärend zur Seite steht.
Es besteht die Möglichkeit sogenannte „Chef- bzw. Expertensysteme“ einzuführen. Neben der Hauptaufgabe in der Werkstatt zu arbeiten, können SchülerInnen die Betreuung eines Lernangebotes übernehmen.
3.2.3.b Umsetzung an der Fritz-Köhne-Schule
Alle SchülerInnen und LehrerInnen der Fritz-Köhne-Schule machen Erfahrungen mit Stationsarbeit bzw. Werkstattarbeit. Durch diese Verbindlichkeit ist gewährleistet, dass alle LehrerInnen in allen Klassen auf diese Methoden zurückgreifen können.
Stations- bzw. Werkstattarbeit sind eingeführt. Arbeitsformen wie z.B. Einzelarbeit, Gruppenarbeit und die Vorbereitung und das Vortragen von Referaten werden mit in die Stationsarbeit und die Werkstattarbeit einbezogen.
Diese Arbeitsmethoden sind fester Bestandteil des Unterrichts.
Innerhalb des Kollegiums wird bei der Entwicklung von Unterrichtseinheiten im Stationsverfahren zusammengearbeitet und schon geleistete Vorbereitungen werden ausgetauscht.
Auch die Einführung und Beschaffung z.B. von Lernkarteien geschieht in Absprache mit den Kollegen.
3.2.3.c Wochenplanarbeit
Der Wochenplan ist ein Konzept der Unterrichtsorganisation. Vielen Kindern fehlt zu Hause ein eigener Arbeitsplatz bzw. die Ruhe zum Arbeiten. Auch fällt es ihnen oft schwer, sich zielgerichtet in einer bestimmten Zeit mit einer Arbeit zu befassen. Bei der Wochenplan-Arbeit lernen sie sich selbst zu organisieren und üben sich in Selbstkontrolle. Alle bisher genannten Anforderungen werden durch diese Form des Unterrichts besser gefördert als beim herkömmlichen Lernen.
Lern- und Übungskisten mit Schülermaterial zu den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht stehen in allen Grundschulkassen zur Unterstützung der Unterrichtsarbeit zur Verfügung.
3.2.3.d Umsetzung in der Primarstufe
Die Arbeit mit dem Wochenplan in der Grundschule sollte nach Möglichkeit schon im ersten Schuljahr beginnen.
Um den SchülerInnen und LehrerInnen einen möglichst problemlosen Umgang mit dem Wochenplan zu ermöglichen, wird mit einem Tagesplan begonnen, dessen Teilziele und Unterrichtsmittel für die SchülerInnen ersichtlich und überschaubar sind. Als Voraussetzung für die Arbeit mit dem Tages- oder Wochenplan gilt, dass sowohl seine Aufgabenformen als auch die geeigneten Sozialformen, wie Partner- bzw. Gruppenarbeit, den Kindern bekannt sind und von ihnen ausreichend beherrscht werden.
Am Ende ihrer Grundschulzeit sollen die SchülerInen selbstständig und eigenverantwortlich mit dem Wochenplan arbeiten können.
Folgende Verbindlichkeiten finden ihre Umsetzungen im Unterricht:
Die SchülerInnen müssen mit Beginn des zweiten Schuljahres den Umgang mit dem Tagesplan als Grundlage für die später folgende Wochenplanarbeit beherrschen.
Die Wochenplanarbeit wird im Laufe des zweiten Schuljahres ein- und durchgeführt.
Die Arbeit mit dem Wochenplan verändert sich im Laufe der vier Grundschuljahre von einer eher gebundenen, gelenkten bis hin zu einer offeneren Form.
3.2.3.e Projektunterricht
Der Projektunterricht ist eine weitere Möglichkeit des Lehrens und Lernens, um die angestrebten Schlüsselqualifikationen zu erreichen und ist daher neben den anderen Unterrichtsformen ein wichtiger Baustein im Lernkonzept der Fritz-Köhne-Schule.
3.2.3.f Umsetzung in der Primarstufe
Der Projektunterricht soll in einer Abfolge von Projektschritten durchgeführt werden, die sich anhand von Merkmalen näher bestimmen lassen:
- Lehrende und Lernende wählen ein für den Projektunterricht geeignetes Thema aus.
- Beide entwickeln gemeinsam einen Plan zur Problemlösung.
- setzen sich mit dem Thema / Problem handlungsorientiert und fächerübergreifend auseinander.
- Dieses Team überprüft die erarbeitete Problemlösung wenn möglich
an der Wirklichkeit.
3.2.3.h Formen der Projektmethode
In der Fritz-Köhne-Schule wird Projektunterricht in Form von Projekttagen oder einer Projektwoche für die ganze Schule durchgeführt.
Im Rahmen einer Organisationskonferenz wird jeweils zu Beginn des Schuljahres festgelegt, in welcher Form und zu welchen Themen der Projektunterricht durchgeführt wird.
Die Überprüfung von Arbeitswegen und Lernergebnissen kann erfolgen durch:
- Betrachtung des Arbeitsprozesses durch das Führen eines Projekttagebuchs
- Anfertigung einer Projektmappe
- Präsentation der Arbeitsergebnisse
- Schriftliche Schülerbefragung
- Diskussion mit den SchülerInnen über die erreichte Leistung
- Videomitschnitte über den Projektablauf und das Ergebnis
- Verbindlicher Austausch zwischen den beteiligten KollegInnen (Protokoll)
4. Schlussbemerkung
Ergänzung findet das Schulprogramm durch die Ziel- und Leistungsvereinbarungen, die zwischen der Schule und der BBS abgeschlossen werden.
Abschließend geben wir zu bedenken, dass die skizzierte Innovationsarbeit gelingt, wenn auch die Elternhäuser diesem Ansinnen wohlwollend gegenüber stehen. Für das Gelingen bleibt eine Zusammenarbeit der Eltern und LehrerInnen unabdingbar.
Anlage: Schulvertrag der Fritz-Köhne-Schule
Schulvertrag der Fritz-Köhne-Schule
Unsere Schule ist ein Ort zum Lernen,
Planen, Entdecken, Gestalten,
zum Treffen,
Reden, Kennen lernen, Spielen, Feste feiern und
Wohlfühlen!
Dazu helfen uns Regeln!
Ich komme jeden Morgen ausgeschlafen und pünktlich mit Frühstück und Arbeitsmaterial zur Schule.
Schüler und Erwachsene begegnen sich freundlich.
Ich nehme Rücksicht auf Andere.
Niemand braucht Angst zu haben seine Meinung zu äußern.
Ich achte darauf, dass durch meine Worte niemand beleidigt, bedroht oder verletzt wird.
Ich achte darauf, dass durch meine Hände und Füße niemand bedroht, behindert, angegriffen oder verletzt wird.
Erwachsene nehmen sich Zeit für Schüler und hören ihnen zu.
Schüler und Erwachsene zeigen voreinander Respekt.
Alle beachten die Gesundheit von SchülerInnen, Jugendlichen und Lehrkräften:
? wir geben Zeit für Gesundheit und Frühstück;
? wir sind rauch-, drogen- und waffenfreie Zone.
Wir schützen unseren Lebensraum,
? wir achten unseren Garten mit seinen Pflanzen
? wir entsorgen unseren Müll umweltbewusst,
? wir behandeln unsere Spielgeräte pfleglich,
? wir behandeln unsere Räume, Wände und sämtliche
Einrichtungsgegenstände und Türen schonend.
1 Jeder beachtet sorgfältig, dass diese Regeln eingehalten werden!
Wer diese Regeln nicht einhält, muss damit rechnen,
? dass er von MitschülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen der Schule erinnert und ermahnt wird,
? dass er den entstandenen Schaden wiedergutmachen, gegebenenfalls bezahlen muss,
? dass er nach den Maßnahmen des Hamburger Schulgesetzes zur Rechenschaft gezogen wird.
Mit meiner Unterschrift bestätige ich, dass ich den Schulvertrag der Fritz-Köhne-Schule anerkenne und einhalte.
Unterschrift der Schülerin/des Schülers: __________________________________________________
Unterschrift der Erziehungsberechtigten: __________________________________________________
Unterschrift der Schulleitung/KlassenlehrerIn: __________________________________________________
Hamburg, den 1.August 2006
Schulstempel



